|
Sie sind gerade in Belém? ...dann lassen Sie sich auf keinen Fall diese
Köstlichkeit entgehen! Versuchen Sie mal eines, oder zwei oder drei
oder gar vier...Entschuldigung, es kommt immer über mich, wenn ich
diese Törtchen esse...Auf jeden Fall sollten Sie zumindest eines dieser
berühmten Puddingtörtchen von Belém versuchen, die immer noch original
in der Fabrik, die in diesem schönen Viertel angesiedelt ist,
hergestellt werden.
Jeden Morgen arbeiten die Meister dieser
Törtchen hier in der Küche nach einem weltweit einmaligen Rezept. Außer
der Zusammenstellung der richtigen Mengen von den richtigen Zutaten
liegt die Kunst der Herstellung dieser portugiesischen Törtchen immer
noch in der Zubereitung nach Großmutters Art ... es werden keine
Maschinen verwendet, sondern nur vorsichtige und talentierte Hände!
Wie viele der in der portugiesischen Gastronomie heimischen Süßspeisen
haben die Törtchen einen ganz konventionellen Ursprung. Die Geschichte
erzählt, dass es einmal einen Konfekthersteller, den Eigentümer einer
Zuckerraffinerie – Domingos Rafael Alves – gab, der gut Freund mit
einem Kuchenbäcker war, der im Kloster der Jéronimos arbeitete. Mit der
Revolution von 1820 wurden viele religiöse Orden aufgelöst, wodurch
viele Mönche und Nonnen heimat- und arbeitslos wurden.
Das war der Zeitpunkt, als der Konfekthersteller den Kuchenbäcker, der
das geheime Rezept der Törtchen besaß, einstellte. Das war der Mann,
der das Konditorgeschäft und die einzige Fabrik zur Herstellung der
Puddingtörtchen von Belém auf die Beine stellte!
Der Kuchenbäcker
arbeitete unterdessen hinter den Fassaden der Raffinerie bis zur
Morgendämmerung, und der Fabrikeigentümer ließ später das Rezept
patentieren, und es ist bis heute geheim geblieben. Heute werden in der
Fabrik ungefähr 14.000 Törtchen am Tag gebacken, und Sie werden sich
fragen, ob diese denn alle verkauft werden? Wenn Sie da immer noch
Zweifel haben, ist es das beste, dass sie einfach eines ausprobieren...
falls eines allein überhaupt ausreicht, um Ihre Neugierde zu stillen!
Als die Fabrik immer mehr Törtchen produzierte, wurden natürlich auch
mehr Arbeiter benötigt, was zu einem Problem wurde. Es musste unter
allen Umständen vermieden werden, dass das Geheimnis des Rezeptes
ausgeplaudert wurde und deswegen konnte der neue Kuchenbäcker nur aus
der Fabrik intern kommen. In diesem Fall musste der neue Kuchenbäcker
mindestens 25 Jahre lang in der Fabrik gearbeitet haben und jemand
sein, dem die Firma trauen konnte. Selbst dann musste dieser neue
Kuchenbäcker einen Eid schwören und eine Vereinbarung unterschreiben,
die besagte, dass er auf keinen Fall das Geheimnis des Rezeptes
verraten durfte. Wenn er diesen Vertrag bräche, würde er von seinem
Eigentum vertrieben werden und könnte dafür sogar ins Gefängnis gehen.
Glücklicherweise wurde dieser Vertrag niemals von jemandem gebrochen
und das Geheimnis des Rezeptes bleibt bis heute hinter den Fabrikmauern
verwahrt.
Man kann diese Puddingtörtchen in vielen Cafés essen, aber keines von
denen schmeckt so gut wie die Originale, besonders wenn sie noch warm
sind und wenn man sie mit Zimt und Puderzucker bestreut verzehrt. Aber
selbst wenn sie schon kalt sind, sind sie immer noch köstlich.
Kaufen Sie am besten gleich ein paar mehr. Sie sind sehr gut in eigens
dafür hergestellten Kartons verpackt. Kleine Zucker- und Zimtpäckchen
werden ebenfalls gleich mitgeliefert. Bevor Sie die Fabrik verlassen,
nehmen Sie sich die Zeit und bewundern Sie die Wandtafeln aus Azulejos
in einigen der fünf Räume, die der Öffentlichkeit zugänglich sind.
|